Erziehung


Gedanken zum Thema Hundeerziehung

Wenn ich es definieren müsste, würde ich es so umschreiben:
wir Menschen versuchen, den Hund in eine von uns gewünschte Form zu erziehen.
Er sollte sich zu einem angenehmen Begleiter für uns und ein nicht störender Hund für unsere/seine Umwelt entwickeln.
Kurz gesagt: er darf nicht negativ auffallen.

Der Druck von Außen wird hierbei immer grösser. Es gibt immer mehr Hunde, die sich nicht mehr wie Hunde verhalten dürfen!

Fällt unsere Entscheidung zugunsten eines Rassehundes, dürfen wir niemals vergessen,
wofür die Rasse gezüchtet wurde, d.h. also die rassespezifischen Eigenschaften dürfen nicht unbeachtet bleiben.
Sie sind entscheidend für das Zusammenleben mit unserem zukünftigen oder jetzigen Hund. Übersteigen
unsere Erwartungen die Möglichkeiten des Hundes, werden wir sehr unglücklich mit ihm - und er mit uns.
Auch gibt es außerhalb dieser rassespezifischen Eigenschaften etwas, was mindestens genau so wichtig ist in der Erziehung:
die Persönlichkeit, respektive der Charakter des Hundes.
In unserer Familie lebt nun die dritte Dogge; jede von den Hündinnen war komplett anders.
Es ist immer sehr spannend wie sich jedes einzelne Lebewesen entwickelt – gerade durch die gemachten
Erfahrungen und die individuellen Charakterzüge des Tieres.
Hunde sind wahre Opportunisten. Sie handeln nicht um uns zu gefallen, sondern um ihren eigenen Interessen/Instinkten
nachzugehen.
Wir können sehr viel von unseren Hunden lernen.
Es gibt viele verschiedene Wege um ans Ziel zu kommen. Jeder muss den für sich und seinen Hund
passenden Weg selber finden.
Man kann Tipps anhören und teilweise vielleicht auch umsetzen, Bücher lesen, sich mit anderen Hundehaltern
austauschen aber letztendlich muss man selbst herausfinden WELCHER Weg, für den eigenen Hund und für sich
Selbst der Beste ist. Beobachten Sie ihren Hund. Er wird es ihnen zeigen, was er mag und was ihn stresst.
Manchmal kommt man durch eine Unterhaltung aus einer Durststrecke wieder heraus. Denn eins ist sicher:

Auf dem Weg zum Ziel fällt man sehr oft hin. Man muss wieder aufstehen und teilweise sogar von vorne anfangen. Verlieren Sie nicht den Mut !

Vieles müssen unsere Hunde lernen ( wir übrigens auch). Die beste Möglichkeit besteht im Alter von 8 Wochen,
z.B. mit dem Erlernen der Stubenreinheit. Das Lernen ist in diesem Alter besonders leicht. Sobald sich ihr Hund
bei Ihnen eingewöhnt hat ( nach ein paar Tagen - je nach Hund recht schnell ) wäre auch eine gute Welpenspielgruppe
von Vorteil. Hatte man diese Möglichkeit nicht, kann man natürlich auch später mit der Erziehung beginnen.
Jeder Hund, wie auch jeder Mensch hat SEIN eigenes Lerntempo und SEINE eigene Lernkurve, d.h. dass es immer wieder
Phasen gibt, wo das gelernte wie weggeblasen ist. Ist es aber nicht. Bleiben Sie dran. Vielleicht ist es dem Hund zu viel geworden, deshalb sind Pausen ( kurze – manchmal aber auch längere ) sinnvoll. Haben Sie das Gefühl das ihr Hund gestresst ist, dann überprüfen Sie bitte die Übungen oder den Ort des Trainings.
Je später man mit dem Lernen beginnt, desto länger kann es dauern. Schön wäre es, den Hund möglichst vielen
unterschiedlichen Situationen auszusetzen.
Die Voraussetzung hierfür ist, dass man dies sehr behutsam und immer positiv endend durchführt. Auch sollte der Hund stressige Situationen durchleben, aber bitte immer so, dass er es schaffen kann. Stress und Frustration gehört mit zum Leben.
Je mehr positive Sinneseindrücke er aufnehmen kann, desto mehr Verbindungen entstehen im Gehirn, die ihm sein weiteres Leben
sehr erleichtern können – da er immer wieder auf diese zurückgreifen kann. Da Hunde nicht gut generalisieren,
außer bei großer Angst oder großer Freude, muss jedes erwünschte Verhalten so oft wie möglich an verschiedenen
Orten und in verschiedenen Situationen mit dem Hund geübt werden. Wenn Sie in einer neuen Umgebung mit ihm
üben wird er wahrscheinlich mit seiner Aufmerksamkeit woanders sein. Bleiben Sie ruhig und gelassen. Zeigen
Sie ihm dadurch, dass Sie alles im Griff haben. Er kann sich also getrost an Ihnen orientieren.
Zuerst üben Sie mit ihm ohne Ablenkung - am besten zu Hause.
Langsam kann man das geübte Verhalten auch in lebhaftere Situationen übertragen.

Bitte bedenken Sie dabei folgendes: Niemals üben, wenn Sie keine Lust haben.
Es sollte nicht über eine dritte Person ( zu der Sie kein Vertrauen haben ) laufen!!!
Setzen Sie bitte nur das um, was SIE ( auch ) möchten.
Wenn Sie nicht von dem überzeugt sind was Sie tun, dann lassen Sie es.
Der Hund merkt sofort, ob Sie das, was Sie sagen auch wirklich von ihm wollen - das kann ich Ihnen aus
eigener Erfahrung sagen.
Sollten Sie an einen Trainer/in geraten sein, der/die so etwas nicht hören will oder darüber lacht, dann gehen Sie bitte.
Jeder Trainer sollte in der Lage sein nicht nur auf den Hund, sondern auch/gerade auf den Menschen einzugehen.
Gelingt dies nicht, sind Sie sicherlich in den falschen Händen.

Oft zeigen uns die Hunde, dass etwas nicht so recht läuft: Der Hund geht das 1. Mal sehr gerne zum Training.
Dank der klassischen Konditionierung hat der Hund gelernt, wenn diese Schuhe angezogen werden, gehen wir Gassi.
Zum Üben in der Hundeschule wird eventuell eine andere Leine benutzt. Nach einigen Wochen
( manchmal schon beim 2 oder 3 Mal ) werden Sie dann anhand der Reaktion des Hundes merken,
ob das alles für ihn in Ordnung ist ( vielleicht haben Sie es auch schon selbst gemerkt ).

Er sieht zwar, dass sie diese Schuhe anziehen und die bestimmte Leine nehmen, bewegt sich aber nicht.
Macht keine Anstalten freudig zu ihnen zu laufen. Sie müssen ihn also holen.
Beim Hundeplatz angekommen, will er nicht aussteigen. Sie müssen ihn wieder holen bzw. aus dem Wagen
zerren. Auf dem Platz verhält er sich nicht so wie sonst. Sie werden immer wütender, was ihn veranlasst ihren
langsam aufkommenden Stress zu beschwichtigen. Das wiederum lässt sie noch wütender werden, weil Sie
mit diesem Verhalten nichts anfangen können. Vielleicht denken Sie jetzt, dass der Hund Sie einfach nur ärgern will.
Der Trainer sagt vielleicht auch noch: Lassen Sie sich nicht an der Nase herumführen. Setzen Sie sich jetzt energisch durch.
Sie müssen ihn jetzt dominieren. Natürlich wollen Sie sich nicht blamieren und tun das, was Ihnen der Trainer gesagt hat. Trotzdem funktioniert es nicht. Der Trainer lässt sie stehen, da noch andere Hunde auf dem Platz sind...... DAS CHAOS IST PERFEKT!!!
Nach einer Stunde gehen Sie frustriert Richtung Auto zurück um ihren Hund dort hinein zu befördern. Sie sind so
wütend das nichts geklappt hat. Zuhause angekommen öffnen Sie das Auto und der Hund springt freudestrahlend
und offensichtlich erleichtert heraus.
Da Sie immer noch sehr wütend auf ihn sind, versucht der Hund ihre schlechte
Laune zu besänftigen bzw. zu beseitigen.
So oder ähnlich könnte es ablaufen, wenn es nicht die richtige Ausbildungshilfe für Sie und ihren Hund ist.
Was ist passiert?
Vielleicht standen Sie selbst unter Stress, was sich sofort auch auf Ihren Hund überträgt. Der Hund hat versucht sie
beschwichtigen, was vom Trainer leider nicht gesehen wurde. Über starken Druck würde versucht, die Mißstände
auszugleichen. Das kann nur schief gehen. Dann kam der Peinlichkeitsfaktor noch dazu (die anderen beobachten
mich- dies ist meistens nicht der Fall bzw. es sollte Ihnen egal sein). Das alles zusammen lies das ganze Training
zusammenfallen. Der Hund hat folgendes dabei gelernt: Hundeplatz bedeutet Stress. Frauchen bekommt
schlechte Laune und wendet sehr viel Druck an. Der Hund wird dabei außer Acht gelassen. Dabei geht es doch um IHN.
Vielleicht haben Sie sich in dem einen oder anderen Punkt wieder erkannt.
Es ist nie zu spät etwas zu ändern, erst recht nicht wenn es sich um das Zusammenleben von Mensch und Hund ( also Team ) handelt.

Denken Sie mal darüber nach. Es wird sich lohnen.

Britta Ebert-Schöbel